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Tagebuch einer Alpenüberquerung - 3.Teil

             
km       Hm
221 Malga Tognola (vor dem Sturz)

Tag 14 / 57,8km / 1686Hm
San Martino di Castrozza >> Spera
Nach dem ersten Anstieg (500 Hm) gelangen wir oben zur Malga Tognola. Es folgt eine ruppige Abfahrt, die auch für gute Fahrer nur zu maximal 50% fahrbar ist. Manu dokumentiert dieses mit einem Sturz vorne über den Lenker, hinein in grobes Gestein: mittlerer Bluterguss, einige Schrammen, Bike ok. Klarer Fahrfehler, Unaufmerksamkeit, mit dem hohen Schwerpunkt aufgrund unseres Rucksacks ist es dann schnell passiert. Doch es kann weiter gehen. Obwohl: die Moral für heute ist dahin, Manu steigt bei der geringsten Unebenheit ab, hat noch lange wacklige Knie.
In Caoria tätigen wir ein paar Einkäufe: 4 Brötchen, 1 Stk. Käse, 2 Tomaten, 1 Rolle Ringo-Kekse mit Vanillefüllung. Damit dürften sowohl Mittagsrast als auch Hungerast kein Problem mehr darstellen. Am Refugio Refavaie, am Fuße des Passo Cinque Croci, suchen wir uns am Ufer eines Wildbaches ein nettes Plätzchen zur Erholung. Die alte Militärstraße hinauf zum P.so 5 Croci ist gut zu fahren, aber elendig lang. Oben angekommen können wir die 5 Kreuze zu unserer Enttäuschung nicht bestaunen. Sie sind demontiert. Den Grund können wir nicht in Erfahrung bringen. Unterkunftsuche: Rif. Carlettini verfallen, Rif. Crucola führt keine Schlafplätze mehr. Wir nehmen ein Hotel in Spera mit beeindruckender Aussicht über Agnedo und die angrenzende Bergkette.

Trentino, das Land, in dem wieder viele Braunbären leben, die wir zum Glück nie sehen 221
  man sieht es nicht, aber es ist nicht fahrbar (nach dem Sturz) Farne im Val Cia  
  Rast vor dem Aufstieg zum P.so Cinque Croci Passo Cinque Croci (ohne Kreuze)  
221 Agnedo, erste Palmen

Tag 15 / 62,7km / 1302Hm
Spera >> Chiesa
Abschied von den mächtigen, bizarren Bergen der Dolomiten. Grillengezirpe begleitet inzwischen beständig unseren Weg, das erste Foto unter Palmen ist geschossen, die Temperaturen sind unverkennbar südländisch, heute messen wir bis max. 39°C. Da kommt ein Bad im Lago di Caldonazzo gerade recht. Dazu gibt es gekühlte Cola und Eis. Anschließend ein kleines Schläfchen zur Regeneration. Toll!
Trotz unseres Bemühens um Erholung zeigen sich bei Manu und mir jedoch erhebliche Erschöpfungszeichen: Wir können nicht mehr lange auf dem Sattel sitzen, die Beine gehen immer wieder zu, lange Anstiege zwingen uns wiederholt zu Pausen. Zum Abschluss der heutigen Tour bewältigen wir noch einmal 850 Höhenmeter Anstieg über den  Kaiserjägerweg nach Bertoldi in sengender Hitze. Zeitweise sind unsere Trinkflaschen leer getrunken, keine Möglichkeit nachzufüllen, zu wenig Wasser, Exsikkose, Kopfschmerzen. Die permanent sportlich-rasant-riskant-rücksichtslose Fahrweise der Italiener auf der schmalen Passstraße raubt uns den letzten Nerv.

 
Kaiserjägerweg:
abenteuerliche Straße, heute asphaltiert, die im ersten Weltkrieg von den österreichischen Kaiserjägern in den steilen Fels geschlagen wurde und so den Weg zu den Hochebenen Folgaria, Lavarone und Luserna freigaben - für die meisten Heldenmütigen war es der letzte Weg, ein Weg in den Tod.

Anstieg über den Kaiserjägerweg 221
  Badepause am Lago di Caldonazzo die "temperamentvolle" Fahrweise der Italiener bringt uns beständig in Gefahr und raubt uns so den letzten Nerv  
  Im Schatten der Geschichte. Inschrift: "Erbaut von den Pionierabteilungen des K und K 2 u 3. Regiments der Tiroler Kaiser Jäger" Kaiserjägerweg: inzwischen Gott sei Dank friedlich genutzt, gesichert und asphaltiert  
221 in Folgaria

Tag 16 / 60,9km / 1153Hm
Chiesa >> Rovereto
Gestern habe ich bei der Ankunft in Chiesa noch zäh den Preis für unsere Hotelübernachtung (inkl. Frühstück) von 40 auf 30 € heruntergehandelt. Heute muss ich feststellen, dass der Preis nicht pro Person, sondern für uns beide gemeinsam gedacht war. Und das, wo unser Hotelier ("Buongiorno, Chef") extra für uns deutsche (sonst gibt es nämlich nur Italiener hier) Eier gekocht, gepellt, in der Mitte durchgeschnitten und in ein Warmhaltetüchlein gelegt hat. Schlechtes Gewissen.

Dann beschert uns der Tag noch ein paar nette Prüfungen:
· Auf halbem Wege, in Folgaria, führt uns das Roadbook in die Irre. Nach 3 Anläufen (ca. 1 h gesucht) suchen wir uns einen eigenen Weg.
· Hinter Folgaria kämpfen wir uns 500 Höhenmeter bergauf, die wir auf der Rückseite des Berges anschließend vollständig wieder hinab schieben bzw. tragen müssen (Ich glaube hier hatte Manu ihr absolutes moralisches Tief).
· Im Zielort Rovereto hat kein Hotel mehr freie Betten. Wir suchen ewig lange und entscheiden uns angesichts unserer Erschöpfung bei Einbruch der Dämmerung für ein 3-Sterne Garni-Hotel an der Hauptstraße. Das schmutzigste Hotel, das ich je gesehen habe (70€/2Pers!!). Auf der Parkbank hätten wir sauberer genächtigt.
· Nachts erst schwül-stickige Hitze, dann orkanartiges Unwetter.

Kaffeepause in Folgaria 221
  Baguette dabei Passo Sommo (1341 m)  
  lange Schiebepassagen bergab Die Natur findet immer einen Weg.  
  Absturzgefahr ! Brechmittel (3-Sterne-Hotel in Rovereto)  
221 noch einmal hoch in die Berge

Tag 17 / 53,0km / 1493Hm
Rovereto >> Riva del Garda
Frühestmöglich verlassen wir diese üble Spelunke. Schmutz, Ekel, Fernfahrer mit schlechtem Benehmen, ... so früh waren wir noch nie fort. 5:45 Uhr aufgestanden, 6:30 Uhr weg.

Der letzte Abschnitt: So nahe liegen Glück und Leid beieinander. In der Nacht regnen die für heute angesagten Wolken ab, dafür haben wir jetzt strahlendes Wetter, angenehme Temperaturen (25-30°) und glasklare Luft mit bester Fernsicht.
Die Beine sind gut. Noch 2 Anstiege sind zu bewältigen. Ein längerer mit 900 Hm nach Malga Somator. Dort machen wir eine gepflegte Rast mit Kaffee, Cola und Kuchen. Fantastisch. Dann noch ein kleiner Anstieg bei Pannone.

Gleichsam einer sich aufbauenden Spannungskurve zeigt sich der Gardasee immer nur kurz zwischen den Bäumen, während wir noch durch die Berge fahren. Da, da war er wieder! Der Lago! Aber nur kurz, schon wieder weg. Unerwartet verschwindet er dann bei der Abfahrt nach Arco ganz. Noch eine knappe Stunde fahren wir durch Obstplantagen.
Das kurze Finale. Steiles Hochgebirge stürzt fast senkrecht hinab ins vermutete Wasser hinter Riva, dessen Tore wir sehen. Bald fahren wir durch Rivas enge alte Gassen, über die "Piazza des 3. November" und plötzlich stehen wir keine fünf Meter entfernt vor dem See (...)
2½ Wochen einer Alpenüberquerung mit dem Mountainbike sind zu Ende. Glück und Fülle. Ein Erlebnis ist nun vorbei, das wohl noch lange in uns nachwirken wird.

Gewächse am Wegesrand bilden einen schattenspendenden Tunnel 221
  Pause bei Malga Somator für einen kurzen Moment zeigt sich der Lago ... dann ist er wieder fort  
  2 Gefährten: kurz vor dem Ziel ist die Erinnerung an vergangene Strapazen nur noch unscharf eindeutig wärmere Gefilde  
  ... und dann ist er plötzlich da - der Lago - und wir stehen am Ufer. auf Hotelsuche am Lago  
221 Tag 18 / 0,0km / 0Hm / :-)
Pausentag in
Riva del Garda

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E N D E
der Alpenüberquerung

221

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km       Hm
221 durch die alten Tunnels der Ponale-Straße

Tag 19 / 44,5km / 700Hm
Riva
>> Lago di Ledro >> Riva
Obwohl 3 Tage Entspannung eingeplant waren, sitzen wir bereits am 2. Tag wieder im Sattel. Die alte Ponale-Straße ist für Motorfahrzeuge gesperrt. Hoch über dem Gardasee fahren wir eine der spektakulärsten Mountainbikestrecken überhaupt. Weiter zum Lago di Ledro, den wir umrunden. Wir treffen den Vater des deutschen Juniorenmeisters im Downhill (Janik Filter) und fahren mit diesem fitten und netten Biker fast die ganze Runde. Er verrät uns auch, dass eine Einkehr in Mecki`s bike & coffee-shop absoluter Cult ist.
Zurück in Riva nehmen wir in diesem urigen Laden mit anderen Bike-Freaks an der Hauptstraße unseren Cappuccino.

schwindelerregend hoch: die alte Ponale-Straße 221
  Die alte Ponale Straße von Riva zum Lago di Ledro Die alte Ponale-Straße wurde bereits im 19. Jh. in den Fels der Rocchetta gesprengt - heute für Motorfahrzeuge gesperrt.  
221 Lago di Tenno - unglaubliches Türkis

Tag 20 / 55,3km / 750Hm
Riva
>> Lago di Tenno >> Riva
Zunächst fahren wir ein ganzes Stück unserer morgigen Heimfahrt ab, damit alles reibungslos ablaufen möge. Dann eine Tour via Arco zum Lago di Tenno. Die Anfahrtstrecke lohnt wenig, der Bergsee mit seiner unglaublichen Farbe um so mehr. Abschluss-Kaffee bei Mecki.

nicht weit im Inland: Arco - einen Besuch wert 221
221 ... blicken ein letztes Mal zurück, erinnern uns des Weges und der vielen Bilder - und nehmen Abschied

Tag 21 / 21,8km / 250Hm
Riva
>> Rovereto
Abschied. Nach 3 Wochen und 18 Bergen, in aller Stille, bei Dunkelheit, um 5 Uhr in der Frühe, packen wir ein letztes Mal unsere Siebensachen in den Rucksack, fahren ein letztes Mal los, fahren den letzten Anstieg, blicken ein letztes Mal zurück, bestaunen den See, unser Ziel, erinnern uns des Weges, und der vielen Bilder, und nehmen Abschied von einem Traum - wehmütig.

in aller Frühe 221
   

 

----------   ENDE der Tagebuchaufzeichnungen   ----------

 

   

 

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