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Tagebuch einer Alpenüberquerung - 2.Teil

             
km       Hm
221 Rodenecker Alm (das da oben links ist das einzige Stückchen blauen Himmels, das wir heute zu sehen bekommen)

Tag 8 / 34,5km / 1480Hm
Brixen >> Starkenfeldhütte

Ein mühseliger Tag: erneut Dauerregen, die gesamten 1480 Hm müssen auf 34 km am Stück zurückgelegt werden, keine Abfahrt - nur Anstieg. 6 km vor dem Ziel sind wir derart durchgefroren, dass wir eine Notrast in der Oberhauser Hütte einlegen. Aufgewärmt machen wir uns auf den Endspurt. Der Lohn des Tages ist nicht mehr fern: die Starkenfeldhütte, urigste aller Hütten, uralt, nur Holz, super-nette Leute, geniale Lage (Rodenecker Alm), abends einfaches aber köstliches Hüttenessen, große Portionen, die wir brauchen, Strom per Generator bis um 22:00 Uhr (nächtlicher Gang zum WC mit Stirnlampe - auch mal ganz interessant).
Abends stößt noch eine nette Wandergruppe (ca. 10 Personen) um Roman Müller zu uns, ein nicht nur sympathischer sondern auch höchst interessanter Mensch.

Dauerregen, Pause unter Tannen 221
  Hüttenzauber - Starkenfeldhütte Abendspaziergang - unglaublich: das Wetter ist wieder etwas besser  
221 Blick ins Pustertal von der Rodenecker Alm hinab

Tag 9 / 58,8km / 1740Hm
Starkenfeldhütte >> Faneshütte (Dolomiten)

Am frühen Morgen gibt es ein zünftiges Bauernfrühstück auf unserer Lieblingshütte: Starkenfeldhütte. Wir verabschieden uns von den Wandersleuten und machen uns wieder auf den Weg. Zunächst kurbeln wir 2 Stunden über die Alm. Dann Abfahrt nach St. Vigil. Wir haben es da zwar noch nicht nachgerechnet, aber irgendwie müssen wir es doch gewusst haben, dass heute die 10000-Höhenmeter-Marke fällt. Und so kaufen wir in St. Vigil die halbe Bäckerei auf, dazu Cola ohne Süßstoff mit viel Zucker und verdrücken alles bei unserer Pause.
Nun verliert die bislang exzellente Wegbeschreibung von U. Stanciu an Glanz: Zwar sagt das Schild: <Pederü-Hütte rechts>, doch wir glauben an unseren Stanciu und folgen seinem Roadbook nach links. Nach ca. 150 Höhenmetern und knapp ½ h winkt uns dann ein Bauer zurück: "Ne neh, andere Richtung. Wenn ich für jeden, den ich schon zurück geschickt habe, 1 € bekommen würd`, dann könnt` ich davon leben!" Und er schmunzelt. Kann er meine ungläubigen Gedanken lesen? Immerhin lautet die oberste Regel: "Frage nie einen Einheimischen nach dem (Mountainbike-)Weg!" Doch der freundliche Bauer sollte Recht behalten.
Via Pederü-Hütte tauchen wir ab in die schönsten und gewaltigsten aller Berge: die Dolomiten. Bis zur Faneshütte (2060 m) ist es noch ein ordentliches Stück Arbeit. Reihenweise kippen die Männer an dem quälenden Anstieg aus dem Sattel, was Manu zu ungeahnter Höchstleistung motiviert. Zitat: "3 Männer hinter mir gelassen, da steig ich doch nicht ab!"
Faneshütte: Etwas Spezielles, eher ein 4-Sterne-Hotel mit Hüttenflair im Berg, aber auch entsprechende Preise, Käse und Wurst kosten extra - naja! Und doch: Fanes hat was! Übrigens der einzige Ort, an dem wir wahre Scharen von Alpencrosslern getroffen haben - außer in Riva natürlich.

Alm-Fan auf der Rodenecker Alm 221
  Wer ist das? Ach ja, der war auch mit: Lahmi. unverkennbar: es geht in die Dolomiten  
  heftig - der Anstieg zwischen Pederü- und Fanes-Hütte nicht mehr weit - Hinweisschild kurz vor dem Ziel  
  Geselligkeit in fröhlicher Bikerrunde Entspannung am Abend in den Bergen (Foto von Balkon der Faneshütte)  
221 Fanes-"Hütte"

Tag 10 / 49,9km / 1580Hm
Faneshütte >> Cortina d`Ampezzo >> Faneshütte
Manu darf heute ohne Rucksack fahren, ich mit nur leichtem Tagesgepäck. Denn wir wollen am Abend in die Faneshütte zurückkehren. Unsere Schleife führt hinab ins Tal nach Cortina d`Ampezzo via Fanesalm, Richtung Travenanzestal, über Passo Posporcora, Tofana. Zurück fahren wir über Fiames. Unerwartet heftige Runde mit "Mörderanstiegen", oft geschoben, einige Male verfahren.
Cortina ist zwar wunderschön anzuschauen, letztlich jedoch nur eine stilvolle Touristenhochburg. Lohnend hingegen die gewaltigen Dolomitengipfel und die Almen.
Am Abend speisen wir mit einigen Wanderern aus Südtirol, lustige Truppe mit eigener Homepage: Gaudimusikanten.

Fanesalm - gemeinsam - heute mit leichtem Gepäck 221
  Fiames (hinter Cortina d`Ampezzo) zurück zur Faneshütte  
221 Ziegen auf der Fanesalm - Großfaneshütte

Tag 11 / 41,4km / 2100Hm
Faneshütte >> Rifugio Viel dal Pan
Um es auf den Punkt zu bringen: Königsetappe bei Kaiserwetter mit Lumpenbeschreibung. Über das Limojoch, später über den Passo Incisa bis nach Arabba haben wir im ersten Teilstück eine traumhafte Tour.

Aufgrund einer fehlerhaften Beschreibung gelangen wir auf den falschen Aufstieg von Arabba nach Portavescovo. Leider bemerken wir den Irrtum zu spät. Umkehren lohnt nicht mehr. Die Folge: 1000 Höhenmeter schieben wir unsere Bikes eine maximal steile Piste hinauf.
Oben an der Portavescovo haben wir dann einen fantastischen Blick auf die Marmolada, die Königin der Dolomiten. Doch sie verteidigt sich gut. Sie führt uns auf den extrem schmalen Bindelweg Nr. 601. Diese Nummer werden wir nie vergessen. Der Weg gibt Platz für Wanderer oder Bike, nur selten für beides. Links fällt der Hang ungesichert immer wieder mehrere Hundert Meter steil bergab. Damit nicht genug. Mehrmals müssen wir einige Meter hinauf oder hinab klettern - nicht zu vergessen: mit Bike! Angesichts unserer Erschöpfung und des Steilhanges eine erhebliche Gefahr. Absturz bedeutet Tod. Hier gehören Mountainbikes nicht hin! Nachdem wir fast 12 Stunden unterwegs sind und allein 6 Stunden unser Bike geschoben haben, brechen wir unsere Tour am Rifugio Viel dal Pan ab; bezeichnender Weise auf einer Klippe in 2432 m Höhe. Dort verbringen wir einen netten Abend mit einigen Wanderern. Alle sitzen an einem Tisch.

Abends gehe ich noch einmal vor die Tür und bewundere den Gletscher der Marmolada in der untergehenden Sonne. Beeindruckend aus dieser Höhe. Ich gehe noch ein paar Meter vor ... und schaue 600 Meter in die Tiefe.

Val di Fanes - Col Locia 221
  Col Locia - Blick auf die Sellagruppe lange Abstiege mit geschultertem Bike gehören dazu  
  verfahren - ein fürchterlicher Anstieg von Arabba zur Portavescovo (1) Anstieg zur Pralongia-Hütte / P.so Incisa (1)  
  verfahren - ein fürchterlicher Anstieg von Arabba zur Portavescovo (2) Anstieg zur Pralongia-Hütte / P.so Incisa (2) - im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel der vergangenen Tage  
  stellenweise extreme Absturzgefahr: Bindelweg Nr. 601 Traumpanorama mit Risiken Abendstimmung vom Rifugio Viel dal Pan aus (2432 m) Portavescovo mit Marmolada-Gletscher im Hintergrund  
221 Bindelweg - der zweite Teil ist besser fahrbar

Tag 12 / 76,9km / 1670Hm
Rifugio Viel dal Pan >> San Martino di Castrozza
Zunächst müssen wir die restliche Tour bis Canazei von gestern nachholen. Der zweite Teil des Bindelwegs Nr. 601 ist breit und sicher fahrbar. Mittagspause machen wir auf dem idyllischen Marktplatz in Moena.
Dann müssen wir wegen einer Wegsperrung eine kleine Tourabänderung vornehmen, finden jedoch wieder gut zurück auf die geplante Route. 8oo Höhenmeter geht es nun extrem steil hoch zum P.so Lusia, gerade noch mit maximaler Anstrengung fahrbar. Vom gestrigen Schiebe- und Schreckenstag sind wir noch ganz fix und foxi = Beine zu. Zwischenzeitlich Gedanke an vorzeitigen Tourabbruch. Doch wir quälen uns hoch. Können nicht mehr sitzen. Zwischendurch nun immer wieder Pause und Schieben. Nach dem ersten Berg folgt eine lange Abfahrt nach Paneveggio.
Und wieder ein Anstieg, 600 Höhenmeter. Dieses Mal zwar mit nur mäßiger Steigung, doch wir sind inzwischen am Rande unserer Leistungsfähigkeit angelangt. Erinnerungen an die schlimmsten Marathons werden wach. Gutes Wetter, grandiose Landschaft, viele Stopps und der Gedanke an den bevorstehenden Pausentag bringen uns letztlich auch über diesen für heute letzten Berg am Passo Rolle. Abfahrt nach San Martino ... Hotel ... Spaghetti ... Bett.
(Fahrzeit: 6h 49min, Tourzeit: 11h 12min)

Bindelweg 221
  Val Venegia (1) Val Venegia (2)  
  Impression am Wegesrand Passo Rolle  
221 geschafft - schieben, wenn das Sitzen schwer fällt Tag 13 / 0,0km / 0Hm / :-)
Pausentag in San Martino di Castrozza

ENDE Teil 2 ---------------------------
 

( ich will sofort weiterlesen: hier 3.Teil )

geschafft - Zeit für Pause - das Aufstehen fällt schwer 221

 

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