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Tagebuch einer Alpenüberquerung mit dem Mountainbike (Juli 2005)

  
Transalp:
Wir, Manu und Lahmi
, haben im Juli 2005 die Alpen mit dem Mountainbike überquert. Entgegen den üblichen Alpenüberquerungen hatten wir die Devise: lang und locker. Wir haben eine der längsten Routen ausgewählt, diese noch etwas erweitert und uns 3 Wochen Zeit genommen: Und es wurde lang aber nicht locker. Wir haben zuvor viel gelesen und recherchiert, oft Harald gefragt (ein altes Sprichwort sagt ja: "Hör` auf Harald!"), uns lange vorbereitet und gefreut. Satellitenbild unserer TourDann war diese größte aller Touren plötzlich da und verging wie im Rausch. Wo sind die 3 Wochen nur geblieben? So ist es leider. Erfüllte Zeiten voller Glück und Zufriedenheit verfliegen allzu schnell, wenn man nicht zwischendurch einmal innehält und zurückschaut. Obwohl es für uns sehr Vieles zu bewältigen gab, haben wir abends kurze Reisenotizen über unsere Erlebnisse gemacht, die hier nachzulesen sind. Vieles geben die Fotos besser wieder als die Worte, denn eigentlich war unsere Reise unbeschreiblich.

Unsere Route (
grün = Pausenorte): Mittenwald - Scharnitz - Karwendel - Eng - Plumsjoch - Pertisau - Maurach - Jenbach - Schwaz - Weerberg - Geiseljoch - Vorderlanersbach - Hintertux - Tuxer Joch - St. Jodock - Gries - Vinaders - Sattelbergalm - Brenner Grenzkammstraße - Kreuzjoch - Sandjoch - Gossensass - Sterzing - Franzensfeste - Brixen - Aicha - Mühlbach - Rodenecker Alm - Jakobsstöckl - Welschellen - St. Vigil - Fanes - Val di Fanes - Val Fiorenza - Tofana - Cortina d`Ampezzo - Fiames - zurück Fanes - Col Locia - Capanna Alpina - St. Kassian - Pralongia - Passo Incisa - Arabba - Bindelweg - Passo Pordoi - Canazei - Moena - Passo di Lusia - Paneveggio - Val Venegia - Passo Rolle - San Martino di Castrozza - Malga Tognola - Caoria - Passo Cinque Croci - Agnedo - Borgo Val Sugana - Santa Giuliana - Lago di Caldonazzo - Kaiserjägerweg - Bertoldi - Passo Sommo - Folgaria - Zencheri - Costa - Noriglio - Zaffoni - Rovereto - Malga Somator - Pannone - Santa Barbara - Bolognano - Arco - Ceole - Riva del Garda (  alte Ponale-Straße - Lago di Ledro - Riva - Lago di Tenno - Riva - Rovereto)

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Tagebuch einer Alpenüberquerung - 1.Teil

             
km       Hm
221 Anreise mit der Bahn - Zeit gut genutzt: Udo schraubt im Einstiegsbereich an seinem Bike

Tag 1 / 26,3km / 150Hm
Mittenwald >> Scharnitz
Dass es nicht immer leicht sein wird, ahnen wir, als um 4:00 Uhr der Wecker klingelt. Mit dem Zug geht es bis nach Mittenwald. Wir lernen Nicole und Udo kennen, die ebenfalls zur Alpenüberquerung gerüstet sind. Bei einer kleinen Erkundungstour um Mittenwald begegnen uns an diesem sonnigen Sonntag Scharen von Mountainbikern. Am Abend kleine Wanderung im Karwendeltal.

Ankunft am Startort: Hbf. Mittenwald 221
221 Enzian

Tag 2 / 63,6km / 1650Hm
Scharnitz >> Maurach am Achensee
Heute steht die erste richtige Tour an. Gleich 2 heftige Anstiege auf dem Programm: Hochalmsattel und Plumsjoch. Bei bestem Wetter mit Temperaturen bis 35°, genießen wir phantastische Ausblicke im und später über das Karwendeltal. 1 h Pause am Wildbach in Hinterriss. Der geplante Zielort Pertisau ist uns zu nobel, wir fahren noch weiter und finden eine Unterkunft auf dem Familienbauernhof "Wach-Hof", so wie wir es mögen. Ein gelungener Auftakt, der jedoch abends mit fürchterlichem Blitz, Donner und Hagel endet.

durch das Karwendelgebirge - immer dabei: Almkühe 221
  Blick vom Karwendelhaus ins östliche Karwendelgebirge Cockpit: wasserfeste Kartenhalterung mit Roadbook, frei einstellbarer Entfernungsmesser und Pulsmesser  
221 Wolken, Regen, Kälte - Was für ein Tag!

Tag 3 / 39,0km / 1536Hm
Maurach am Achensee >> Weidener Hütte
Dauerregen. Paradox: Die Gipfel, die wir gestern noch schwitzend bei 35 °C überquert haben, sind nach der vergangenen Nacht nun schneebedeckt. Viel zu früh bewährt sich unsere teure Investition in Goretex-Hose, Goretex-Socken, ... Und doch. Irgendwann sind wir so durchgefroren, dass wir in Weerberg in dem ****-Hotel "Friedheim" um Einlass bitten müssen. Der freundliche Wirt serviert uns in warmer Stube heiße Suppe und Kaffee - köstlich. "Und richtet oben auf der Weidener Hütte schöne Grüße aus. Das sind hier unten unsere Nachbarn." Gestärkt nehmen wir den Rest der 1300 Höhenmeter am Stück in Angriff. Ein Mega-Anstieg. Es regnet weiter.
Oben auf der Weidener Hütte, wo es keine Duschen und kein "Sie" gibt, begegnet man uns mit "grober" Freundlichkeit. Wir sind die einzigen Gäste. Der Wirt, den wir nie nüchtern kennen lernen sollten, feiert ein Gelage mit anderen Almbewohnern. "Ich lege gleich Briketts in den Ofen" - wir frieren noch eine Stunde. "Dürfen wir unser Zimmer bitte beziehen?" "Jaja, ich sehe mir erst noch die Fotos von meinen Besuchern an" - wir frieren! Abends speisen die Bewirtschafter warme Menüs, bevor wir überhaupt gefragt werden, ob wir auch etwas essen wollen. Als Hüttenneulinge fügen wir uns in diese Art und hoffen, dass solche Sitten nicht in allen Hütten vorherrschen. Schlecht geschlafen.

Hefig: 1300 Höhenmeter am Stück 221
  schöner Moment, umgeben von lauter Nassem hoffnungsvoller Endspurt zur Weidener Hütte  
  düstere Aussichten Wetterbesserung am Abend  
221 Anstieg zum Geiseljoch

Tag 4 / 28,2km / 804Hm
Weidener Hütte >> Hintertux
Merke: "Hütte zu Weiden - meiden!" (Übrigens eine Ausnahme. Alle anderen Hütten waren genial.) Solvere et laetum esse (Zahlen und fröhlich sein) ... und schnell weg.
Das Blatt wendet sich. Sensationelles Wetter am Morgen, Sonne, wenige Wolken.

"Die Alpen scheinen es gut mit uns zu meinen
und lassen uns heute viele ihrer
versteckten Zutaten des Glücks zuteil werden."

Ein unvergesslicher, einsamer Aufstieg zum Geiseljoch. Wir lassen uns viel Zeit und machen so manches Foto. Die Abfahrt ist schier endlos und bringt unsere Bremsen zum Glühen. Apfelstrudel mit Vanillesoße auf der Geiselalm. Nachmittag: In Hintertux kommen nicht nur wir, sondern auch die ersten Skifahrer vom Berg.

Momente (1) 221
  " Du erlebst absolute Stille und wohltuende Einsamkeit, siehst unglaublich schöne Bilder, die ein Leben lang in deinem Gedächtnis eingraviert bleiben. " (U. Stanciu) Momente (2)  
  Geiseljoch (2292 m) mit Blick ins Zillertal Abfahrt Geiseljoch via Geiselalm ins Zillertal nach Hintertux (1) Abfahrt Geiseljoch via Geiselalm ins Zillertal nach Hintertux (2) Schnee auf dem Geisseljoch  
221 "Die Geister, die ich rief, werd` ich nun nicht los", schrieb einst Dichterfürst Goethe in seinem "Zauberlehrling"

Tag 5 / 35,1km / 1360Hm
Hintertux >> Sattelbergalm (Brenner)
Zunächst ein heftiger Aufstieg zum Tuxer Joch. Auf der ersten Hälfte überholen uns unzählige LKWs, denn es wird eine riesige neue Gondelstation gebaut.

"Die Geister, die ich rief,
werd` ich nun nicht los"
( Goethe, "Zauberlehrling" )

Das Naturerlebnis ist vor lauter Diesel und Beton kaum wahrzunehmen. Nun würden wir gerne über diese Belästigung, Verunstaltung und letztlich Habgier herfallen, wären wir nicht selbst schon so oft hier gewesen - im Winter - zum Skifahren.
Aber so hoch wie wir kommen die Brummis nicht, hoch zum Tuxer Joch. Dort, am Gipfelkreuz, genießen wir eine besondere Stimmung umgeben von dichten Wolken. Die Abfahrt ist für uns nicht fahrbar, das heißt eine Stunde lang schieben und tragen wir unsere Bikes über 550 Höhenmeter hinab in das Tal. Unten sind wir schweißnass und doch durchgefroren - unangenehm. Unter der Brennerautobahn hindurch und über sie hinweg verlieren wir sie in der Tiefe unter uns gerne aus den Augen und gelangen schließlich zur Sattelbergalm. Mountainbiker-orientierte Alm-Unterkunft der Extraklasse.
(Bericht auch in nächster MountainBike 09/05)

Wolkenhöhe 221
  keuchend hinauf zum Tuxer Joch: es ginge auch anders - doch ginge etwas verloren - deshalb machen wir es so! kaum fahrbar - vom Tuxer Joch hinab nach Kasern  
  Tuxer Joch: auch ohne Sonne und Fernsicht eindrucksvoll Freund, wo gehst Du hin? vergiß nicht, daß ich Dein Erlöser bin! Daß ich so viel gelitten hab für Dich, darum bleib stehen und grüße Mich!  
221 Berüßung auf italienisch - Grenze zwischen Österreich und Italien

Tag 6 / 73,8km / 1350Hm
Sattelbergalm >> Brixen

Italien. 10 km lang auf über 2100 Metern Höhe geht es über die Brenner Grenzkammstraße. Unzählige Bunker dokumentieren eine blutige Vergangenheit. Kreuzjoch, Flachjoch, Sandjoch. Mal wärmt uns die Sonne, dann pfeift wieder ein eisiger Wind. Schneebedeckte Bergkämme, Stille, wieder Wind, Einsamkeit, zwei Pferde mit wehender Mähne bäumen sich dort oben auf, Wiehern, dann nochmals Wiehern, seltsam - nur das Echo, wieder eisiger Wind und Stille, spektakuläre Aussichten zwischen den durchs Tal ziehenden Wolken. Man ist versucht, sich zu kneifen, um sicher zu gehen, dass es wirklich ist.

Es folgt eine endlose Abfahrt von 2195 auf 945 m. Eis essen in Sterzing. Gerade noch durch Schnee gefahren, sehen wir nun Badegäste im Vahrner See bei Aicha.

Als Zielort für unseren Pausentag disponieren wir um und wählen an Stelle Mühlbach die wunderschöne kleine mittelalterliche Stadt Brixen (Bressanone).

Brenner Grenzkammstraße - Bunker - Zeugen einer blutigen Vergangenheit 221
  Brenner Grenzkammstraße - steil - nicht immer fahrbar sinnträchtig: Topfsteinzapfen verschließen langsam die Schießscharten vergangener Kriege  
  Sturzflug in die Wolken Brenner Grenzkammstraße - gut fahrbar - nicht immer allein  
221 Brenner Grenzkammstraße - Alm Tag 7 / 0,0km / 0Hm / :-)
Pausentag in Brixen
ENDE Teil 1 ---------------
 

( ich will sofort weiterlesen: hier 2.Teil )

in der Schneefallgrenze 221

 

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