Logbuch-Archiv 2010 - April bis Juni

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 [  Tradition und Kultur
                    des Bikens  ]

 

Tradition (lat. tradere = hinübergeben) bezeichnet die Weitergabe von Handlungsmustern, Überzeugungen und Glaubensvorstellungen. Tradition geschieht innerhalb einer Gruppe oder zwischen Generationen und kann mündlich oder schriftlich über Erziehung oder spielerisches Nachahmen erfolgen. Die soziale Gruppe wird dadurch zur Kultur.

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So. / 20.06. / 4h 13min / 79,1km / 2201HM / MTB
mit 4774 Teilnehmern

Ultra-Bike, es reizt so sehr ...
Black Forest Ultra Bike Marathon in Kirchzarten 2010. Eigentlich kennt man die Strecke ja schon fast im Schlaf. Um so besser dient sie als Standortbestimmung. Wie jedes Jahr springen dabei ein paar tolle Angeberfotos heraus. Zusätzlich dieses Jahr die persönliche Bestzeit, was im 7. Jahr der Teilnahme besonders freut.

Die größte Freude jedoch war, als die eigene Tochter den Papa am letzten Anstieg, an dem üblicherweise die Wadenkrämpfe beginnen, begeistert anfeuert. Es ist natürlich das totale Chaos:
Auch die Mama jubelt dem tapferen Gatten phrenetisch zu, rennt dabei Ihre eigene Tochter fast um. Diese kommt beinahe zu Fall und kann, da sie nun nicht mehr zum Klatschen kommt, die Tränen kaum noch zurückhalten. Welch ein Drama an der Rennstrecke! Also hält der schnelle Mountainbike-Papi an und umarmt seine Tochter: "Danke, dass Du so toll klatscht. Super. ... Ich fahre jetzt mal weiter. Bis gleich im Ziel."
Alles wieder gut. Die Krämpfe kamen dennoch, taten aber nicht so weh.
           
Fr. / 04.06. / 5h 52min / 53,7km / 1249HM / MTB
Mountainbiken auf Korsika

Manu und der Monte Cinto
Über 20 Kilometer geht es durch die imposante Asco-Schlucht immer bergauf bis nach Haut-Asco am Fuße des höchsten Berges von Korsika, dem Monte Cinto. Es handelt sich um unsere Tour 6 unserer Korsika Tourenseite, inzwischen GPS-gestützt.

Vor vielen Jahren hat diese Tour die liebe Manu noch bis an ihre Leistungsgrenze gebracht. 300 Meter vor dem Ziel stieg sie damals erschöpft ab und hat die letzten Höhenmeter klagend und schiebend zurückgelegt.

Auch dieses Mal müssen wir in der Mittagshitze tüchtig die Zähne zusammenbeißen. Doch oben am Etappenziel steigt Manu dieses Mal nicht ab - inzwischen wohl bemerkt mit Fully und Kinderanhänger. Manu`s Kommentar oben: "Wie, das war schon alles?"

Chapeau!

Da der größte Teil der Strecke heute über Asphaltwege führt, sind wir mit unserem Follow-me-Tandem heute bestens bedient: Zwischendurch auf verkehrsarmen Flachstücken kuppeln wir Pia`s kleines Mountainbike aus und sie kann allein fahren.
Di. / 01.06. / 9h / 35,8km / 897HM / MTB
Mountainbiken auf Korsika

Désert des Agriates - Schattenseiten in der Sonne
Wir fahren die Tour 8 unserer Korsika Tourenseite, dieses Jahr erstmals unterstützt durch GPS und den wirklich überragend guten topographischen Karten Frankreichs. Für Insider: die franz. Topo-Karten sind alle voll routingfähig. Hier hinkt Deutschland noch mächtig hinterher.

Rückblick: Inzwischen ist diese Homepage
bikeXtra.de viel beachtet. Wir bekommen viele Rückmeldungen aus ganz Deutschland. Und nicht wenige Leser fühlen sich durch unsere Berichte motiviert, solch kleine Abenteuer mit der ganzen jungen Familie "mal eben" nachzumachen. Gut so. Da wir in den Berichten jedoch in der Regel die schönen Erlebnisse unserer Tour herausarbeiten, soll bei dieser heutigen Tour auch einmal die Schattenseite aufgezeigt werden:

Bereits am Abend zuvor werden die Bikes geprüft, geölt, vorbereitet. Luft, Reparaturmaterial, Öl, Proviant und vor allem Wasser. Die Désert ist völlig unbewohnt und ohne Wasserquelle. Bei großer Hitze und langer Tour kann der Durst zum limitierenden Faktor werden. Das erste Problem tritt am Abend zuvor auf, als wir die Kinder früh zu Bett bringen möchten, die 2 jedoch nicht schlafen wollen. Stunde um Stunde. Da wir morgen früh aufstehen müssen wird die Erholung später noch fehlen.

Frühmorgens kaufen wir Baguette, essen etwas, schmieren uns Lunchpakete und fahren einige Kilometer entlang der Küste zu unserem Ausgangspunkt, einer Weinschänke am südlichen Rand der Désert des Agriates. Während Mama zum x-ten Mal Windeln wechselt, baut Papa alle Räder zusammen. Dann geht es los.

Die ersten Anstiege bis auf den Pass Bocca di Vezzu verlaufen über die Landstraße. Alles gut asphaltiert. Oben biegen wir auf Schotterwege in die Désert des Agriates ab. Bald wird der Boden derart uneben, dass wir unsere Mountainbikes nur noch mit Mühe um die teils meterhohen Schlaglöcher und Felskanten herum manövrieren können. Da bleibt so manche Erschütterung nicht aus. Und bald beschwert sich Pia, dass dieses nicht auszuhalten sei. Der Po täte so weh. So kann sie nicht weiterfahren. Und außerdem mache Sie jetzt erst mal gar nichts mehr - Zitat Ende.

Kindermund tut Wahrheit kund. Wir müssen uns nach den ersten Kilometern eingestehen, dass unsere Kupplung (Follow-me) aufgrund der nicht vorhandenen Federung des Kinderrades für diese Tour völlig ungeeignet ist. Was auf dem Weg zum Kindergarten ein Segen war, entpuppt sich hier im groben Gelände als Totalversager. So müssen wir große Teile des Weges Laufen, was viel zu lange dauert.

Nach Stunden landen wir auch noch auf einem von Macchia überwucherten Pfad. Die meterhohen Dornensträucher lassen kaum Platz für eine Person. Das Fahrrad läuft nebenher durch hartes spitzes Geäst. Immer wieder laufen Pia und ich 50 Meter vor. Pia bleibt dann bei dem Bike, während ich zurücklaufe, um Manu beim Tragen von Bike mit Kinderanhänger zu helfen. Dabei verliere ich Pia für einige Minuten im dichten Macchia-Bewuchs aus den Augen. Doch sie macht sehr vernünftig mit, hat sie doch den Auftrag, zu rufen, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Dann plötzlich ein lautes Schreien: Paaaapa, Paaaapa, komm schnell, schnell, Paaaapa ..." Jeder Vater nun weiß, welch panische Gefühle einen in solch einer Situation in dieser lebensfeindlichen Einsamkeit überkommen. Manu bleibt zurück, ich lasse alles fallen und sprinte den dornigen Hang hinauf. Den Schmerz der Dornen spürt man jetzt nicht mehr. "Pia, wo bist Du?" Längst hätte ich Sie erreichen müssen in diesem Labyrinth, dessen enge Wege nur von wild lebenden Rindern plattgetreten werden. Dann: "Hier!" Der Ruf kommt nun von hinten. Nach einigem Umherirren stehe ich plötzlich neben Pia. "Da bist Du ja endlich, Papi. Guck mal der Schmetterling da. Den wollte ich Dir zeigen."

Nach über einer Stunde finden wir wieder einen breiteren Forstweg. Nach einer weiteren Stunde verengt sich unser Weg wieder zunehmend. Seit Stunden haben wir keine Menschenseele mehr gesehen. Auch gibt es keine Nebengeräusche durch Verkehr. Nur das Grillengezirpe begleitet uns in der mittäglichen Hitze. Plötzlich ist es still und wir hören im meterhohen Geäst des vor uns liegenden Hanges ein lautes Knacken. Unheimlich wird es uns zumute.

Im dichten Geäst entdecken wir einen wild lebenden Stier. Genaue Größe und Stimmungslage können wir nicht erkennen. Pia und ich pirschen uns an, um ein Foto zu schießen. Dann führt uns der Weg erneut durch dichte Macchia. Die Dornen haben unsere Waden inzwischen blutig gerissen. Nach schier unendlichen Tragepassagen erreichen wir unser Ziel, einen Traumstrand. Völlig überhitzt und erschöpft baden wir in den Fluten des Mittelmeeres. Erfrischend.

Da wir inzwischen zu spät sind, müssen wir bald wieder aufbrechen. Der Rückweg führt uns entlang der Küste. Sehr schön. Dann wird er im Landesinneren wieder so steil, dass wir immer wieder lange Stücke schieben müssen. Als es bereits zu dämmern beginnt, fallen Pia immer wieder die Augen zu, vor Müdigkeit. Notgedrungen darf sie zum ersten Mal einen Schluck Cola probieren.

Zum Abschluss hat die Natur noch einige letzte spannende Prüfungen für uns bereit: Von den Regenfällen der letzten Wochen ist der Weg mehrfach auf 10 - 15 Metern Länge komplett überschwemmt. Links und rechts kein Durchkommen durch hohen Macchia-Bewuchs. Wir können im trüben Wasser weder erkennen, wie tief die Furt ist noch, ob in der Tiefe Hindernisse im Verborgenen liegen. Angesichts der hereinbrechenden Dämmerung zögern wir nicht lange, nehmen etwas Anlauf und ... ein sehr prickelndes Gefühl, wenn man nicht weiß, wie tief das Gewässer ist und was sich auf dessen Grund befindet. Jedenfalls ist niemand zu Schaden gekommen. Wir sind nur ein bisschen nass geworden.

Fazit: Trotz der wenigen Kilometer haben wir uns mit dieser Tour ziemlich verkalkuliert. Mehr als 8 von 9 Stunden waren wir unterwegs. Nicht kindertauglich. Weiterhin darf verraten werden, dass wir nach unserer Korsika-Reise als erstes einen gefederten Kinderanhänger (s. Bild links) gekauft haben - der Streamliner von Tout-Terrain. Die Follow-me-Konstruktion wird künftig den asphaltierten Strecken vorbehalten sein.
Mo. / 31.05. / 4h / 49,7km / 909HM / MTB
Mountainbiken auf Korsika

St. Antonino
Erste Übungsrunde am Basislager zum Einfahren. Dann geht es nach ein paar Jahren Korsika-Mountainbike-Pause wieder los. Wir haben uns wieder auf dem Campingplatz "Le Bodri" niedergelassen, ein sehr guter Ausgangspunkt für fast alle Mountainbiketouren im Norden Korsikas. Zum Eingewöhnen fahren wir die Inlandsrunde hinauf nach Pigna. Dort Besichtigung und Einkehr in einem uns bekannten Restaurant mit fantastischer Aussicht bis zur Küste. Anschließend geht es weiter hinauf nach St. Antonino, ein Bergdorf, dass sich wie ein Adlerhorst um einen Berggipfel herum windet.

 

Hier gibt es gleich am Eingang des kleinen Dorfes einen Familienbetrieb, der frisch gepressten Zitronensaft aus eigenem Anbau verkauft. Sehr erfrischend nach den 900 Höhenmetern, die gerade hinter uns liegen.

Von Sant Antonino aus fahren wir - dank komfortabler GPS-Planung am PC abends zuvor - einen landschaftlich sowie technisch reizvollen Forstweg hinab an die Küste. Wir fahren gleich weiter in die nahegelegene Hafenstadt Ile Rousse. Dort gibt es einen riesigen Familieneisbelohnungsbecher.

 

Mo. / 24.05. / 3h 42min / 49,0km / 1475HM / RR
mit den Oberrieder Bike-Bären

Pfingstmontag

Das Wetter macht dem Wonnemonat Mai alle Ehre und darauf gibt es nur eine Antwort: Rauf aufs Bike. Mit der Rennradfraktion der Oberrieder Bike-Bären gibt es eine schöne knackige Rennradrunde. Ein Loch im Reifen schenkt eine Verschnaufpause. Zum Abschluss geht es dann noch über den Schauinsland.
Follow-me
Nachmittags noch eine kleine Familienrunde mit dem genialen Follow-me.
Vorteil: Das Kind fährt allein, solange die Kräfte reichen und es nicht zu steil ist. Anschließend einfaches Eindocken. Die Mechanik fixiert das Kinderrad ohne jegliches Spiel und ist auf alle Kinderradgrößen einstellbar.
Einziger Nachteil, den wir bei unseren Touren festgestellt haben: Da das Kinderrad nicht gefedert ist, ist das Gespann absolut nicht geländetauglich, nicht einmal für längere Forstwegstrecken.
Fr. / 30.04. / 1h / 2km / 20HM / MTB
mit dabei: Pia

Ein neues Bike ...
zählt zu den schönsten Dingen auf der Welt,
weil man sie sich damit erschließen kann.

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