Logbuch-Archiv 2008 - April bis Juni


 


  [  sinn - bild - liches  ]

Es gibt viele Arten, Fahrrad zu fahren. Wir biken.
Das heißt, wir fahren mit dem Mountainbike, im Wald, immer, gemeinsam.
Zwischen den Zeilen entdeckt der suchende Leser eine eigene Philosophie.

   

So. / 22.06. / 4h 47min / 79,5Km / 2100Hm / MTB

11. Bike-Marathon Kirchzarten
Eine neue Auflage der perfekt organisierten Bike-Veranstaltung. Bis zur letzten Sekunde überlegt, ob wir mitmachen - doch was soll man an solch einem Tag sonst machen? Zwar ist die Endzeit nicht besonders schnell, dafür jedoch springen durch die professionellen Fotografen am Wegesrand ein paar sehr schnelle Angeberfotos heraus.
Neben dem traumhaften Wetter mit Temperaturen bis über 30 °C werden vielen Teilnehmern die Wadenkrämpfe in Erinnerung bleiben ... und die Übelkeit, wenn man auch nur annähernd zeitnah versucht, die verbrauchten Liter an Flüssigkeit zu ersetzen. Nächstes Jahr sind wir auf jeden Fall wieder dabei.

So. / 15.06. / 1h 55min (+ 20min) / 17,0Km / 485Hm / MTB

3 der schönsten Dinge
Schlechtes Wetter, viel zu kalt für Mitte Juni, erlaubt nur eine kleine Familientour auf den Rosskopf, auf der wir drei der schönsten Dinge der Welt genießen können:

Bikes, Bambinis & Butterblümchen !

Sa. / 14.06. / 4h  (+ 27min) / 64,0Km / 1433Hm / MTB

"Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte ...
von Jorge Luis Borges (24.08.1899 - 14.06.1986)

"Wenn ich mein Leben
noch einmal leben könnte, im nächsten Leben,
würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen.
Ich würde nicht so perfekt sein wollen,
ich würde mich mehr entspannen.

Ich wäre ein bisschen verrückter als ich gewesen bin,
ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.
Ich würde nicht so gesund leben.

Ich würde mehr riskieren, würde mehr reisen,
Sonnenuntergänge betrachten,
mehr bergsteigen, mehr in Flüssen schwimmen.

Ich war einer dieser klugen Menschen,
die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten;
freilich hatte ich auch Momente der Freude,
aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu haben.

Falls Du es noch nicht weißt,
aus diesen besteht nämlich das Leben;
nur aus Augenblicken, vergiss nicht den jetzigen!

Wenn ich noch einmal leben könnte,
würde ich von Frühlingsbeginn an bis in den Spätherbst hinein barfuss gehen.
Und ich würde mehr mit Kindern spielen,
wenn ich das Leben noch vor mir hätte.

Aber sehen Sie... ich bin 85 Jahre alt und weiß,
dass ich bald sterben werde."

So. / 01.06. / 4h 20min (+ 15min) / 71,7Km / 1609Hm / MTB

Zweiter Frühling
Heute bekommt der Papi `mal frei und darf allein mit seinem (schnellen) neuen Plastikrad in den Wald Spielen gehen. Da bietet sich die lange vernachlässigte Drei-Gipfel-Tour an:

Es zeigen sich die üblichen verdächtigen Bilder: Rappeneck >> Schauinsland >> Notschrei >> Stübenwasen >> Todtnauer Hütte >> Feldberggipfel >> Seebuck >> Feldsee >> Rinken >> Hinterwaldkopf >> Falkensteig >> Kirchzarten und zurück nach Freiburg.  

Bemerkenswert: Hatten wir im Tal bereits die erste heiße Sommernacht mit 30 °C, gibt es auf dem Feldberg noch immer größere Schneefelder. Die hoch gelegenen Bäume, beginnen gerade erst mit jungem frischen Grün zu sprießen; hier liegt der im Tal schon fast vergessene Frühling in der Luft. Das beflügelt die Sinne ... und die Beine. Und so wird die Strecke, die normalerweise eine ganze Tagestour mit Rucksack und Picknick bedeuten würde, heute als etwas verschärfte Trainingseinheit angegangen. Der Flow wird lediglich ein Mal unterbrochen, durch ein kleines Telefonat, kurz vor der letzten Abfahrt, um vorab schon einmal ein kühles Bier im Ganterbiergarten zu bestellen ...

Sa. / 24.05. / 6h 05min / 75,5Km / 943Hm / RR

Provence, 2. Tag - Anstieg zum Col de Fantaube
Es sollte eigentlich ein entspannter Erholungstag werden. Matthias leiht uns sein nagelneues Navi (Garmin Colorado300) mit einer schönen Tour. Bis zum Col de Fantaube ist das auch so.

Dort führt aufgrund einiger "technischer Eigenwilligkeiten" der weitere GPS-geführte Weg über eine grobe in den Fels geschlagene Schotterstraße, die nicht einmal mit dem Mountainbike problemlos zu befahren wäre. Einen weiteren Umweg möchten wir angesichts unserer etwas lädierten Kondition nicht in Kauf nehmen. Also fahren wir den gleichen Pass wieder hinab. Am Horizont lauert das nächste Problem: düstere schwarze Gewitterwolken ziehen auf.

16 Km vor dem Ziel platzt dann auch noch der Reifen von Pias Anhänger. Also muss ich alleine im Regen nach Hause vorfahren und anschließend mit dem Auto die zurückgebliebenen Damen abholen.

Auch solche Tage muss es geben.

Fr. / 23.05. / 5h 35min / 102,2Km / 2217Hm / RR

Provence, 1. Tag - Die Bezwingung des Mont Ventoux ...

... oder ...

als Matthias  60  wurde

Er hat unzähligen Radfahrern, Mountainbikern und Rennradfahrern, das Biken beigebracht. Hat erklärt wie man es machen soll und auch wie man es nicht machen soll. Sein Verdienst ist es vor allem, wenn donnerstags am Abend ein Peloton von 30, 40 und manchmal 50 Rennradfahrern durch das Saarland rauscht. Sein Verdienst ist es, dass wir heute durch die Wälder des Schwarzwalds ziehen, bei Tag, bei Nacht und manchmal über viele Tage mit dem Rucksack auf dem Rücken. Sein Verdienst ist es auch, dass sich mehrere Jahre in Folge, so auch heute, eine große Gemeinde von Rennradfahrern in der Provence zusammenfindet. An die 40 Leute mögen es sein. Die Fähigkeit, die Menschen einer Generation von Individualisten in der Freizeit zusammenzuführen, ist eine besondere, eine seltene, eine kostbare. Und ganz bestimmt ist es für Matthias ein oft beschwerlicher und kräftezehrender Weg, sein Ziel zu erreichen. Da ist es bezeichnend, dass wir gerade heute an Matthias` großem Tag, an seinem 60sten Geburtstag, auf einen der berüchtigtsten und beschwerlichsten Berge der Tour de France fahren.

Der Weg unserer Tour auf den Mont Ventoux führt zunächst über eine 40 Km lange Anfahrt nach Bédoin. Erstes Highlight dabei ist der moderate Anstieg zum Col de la Madeleine, dem sich eine phantastische Abfahrt durch Olivenhaine und Weinfelder anschließt. Ab Bédoin beginnt dann der Anstieg zum Gipfel des Mont Ventoux. Es ist der anstrengendste der 3 möglichen Aufstiege. Aber wenn, dann wollen wir es ja auch richtig machen.

"Kein Problem," hatte ich gesagt, "Einfach 2 x Schauinsland und das war`s!" Doch nach den ersten Kilometern mit nur mäßigem Anstieg (4-6%) werde ich eines Besseren belehrt. Das Besondere des Mont Ventoux ist es, dass er ohne Unterbrechung 9-12% Steigung aufweist. Es gibt keinen einzigen Moment der Erholung, keinen Moment, an dem man einmal verschnaufen könnte. Unablässig brennen die Beine, dann schmerzen sie, schwellen an. Treten und ziehen. Jetzt bloß keinen Krampf bekommen! 1600 Höhenmeter am Stück bis auf 1912 m. Heftig. Auf den letzten Kilometern zeigt sich dann oben im eisigen Wind das kahle Haupt des einsam aufragenden höchsten Berges der Provence. Ein riesiges Kalkschotterfeld, dass durch Rodung des ehemals üppigen Baumbestandes (zum Bau der französischen Seeflotte) entstanden ist. "Thomas, du wirst heute eine neue Erfahrung machen," hatte Matthias gesagt. So war es.

Zum X-ten Mal fährt Matthias heute hier hinauf. Er fährt alleine, wie die meisten, fährt seinen Rhythmus. Er wird in diesem Anstieg vielleicht so manche Parallele zu seinem Leben gesehen haben. Anstrengendes und Beschwerliches. Wenn bei solch einem Kraftakt der Kreislauf maximal pulsiert, dann schießt einem so manch Tiefsinniges - wenn auch nur flüchtig - durch den Kopf. Dann drängt sich wieder dieser kräftezehrende Anstieg ins Bewusstsein. Vielleicht hat er an die Mühen gedacht, hier alle Biker wohlbehalten herzubringen, hat vielleicht die Rückschläge reflektiert, die große Dinge immer mit sich bringen. Vielleicht hat er manchmal umdrehen wollen. Wie leicht wäre es, kehrt zu machen und sich ohne jeden Kraftaufwand hinunterrollen zu lassen. Man kommt doch sowieso immer wieder dort an, wo man losgefahren ist. Und doch! Ohne die Beschwernis, ohne das Keuchen, ohne das Zweifeln, ohne mit eigener Kraft aus dem Tal hinaufgekommen zu sein, kannst du nicht oben stehen und das empfinden, was wir jetzt hier oben fühlen.

Es ist ein kurzer Moment, viel zu kalt, viel zu windig, viel zu erschöpft, viel zu flüchtig, ...

Hier endet dieser Bericht, weil nicht alles aufgeschrieben werden kann, was zu sagen ist. Matthias hat sich gewünscht, dass ich zu seinem Geburtstag ein paar Zeilen aufschreibe. Er ist mit uns unzählige Berge gemeinsam hinaufgefahren. Im übertragenen Sinn hat er für uns so manchen Berg bezwungen - manchmal ohne, dass wir es gemerkt haben. Wir wünschen dir, dass noch viele dieser kurzen, flüchtigen und reichen Momente auf den Gipfeln dieser Welt auf dich warten mögen. Am Ende dieser kleinen Laudatio ist es dann Zeit, zu sagen ...
 

Danke Matthias (King of the Forest)

Sa. / 10.05. / 3h 18min (+1h 30min) / 39,0Km / 844Hm / MTB

Mountainbiken im Harz
Freiwillig wären wir wohl nicht so plötzlich hierher gekommen. Doch eine Familienfeier bringt uns in dieses höchste Norddeutsche Mittelgebirge. Schnell noch ein paar GPS-Touren auf`s Navi geladen (... hier!) und schon kann die Reise losgehen.

Höchster Punkt im Harz ist der Brocken mit 1141 m ü. NN. Das Wegenetz im Wald zeigt eine nahezu perfekte Infrastruktur. Aufgrund der vielen Abzweigungen sind wir froh, unser GPS-Gerät als Führer dabei zu haben. Und wie immer, wenn wir mit GPS in fremden Wäldern unterwegs sind fahren wir, als lebten wir seit Jahren hier: Dort der 3. Forstweg rechts, hinter dem Haus zweiter Pfad links steil hinunter, dann eine ganze Weile nah am Odersee entlang, ... Moderne Technik macht`s möglich - Verfahren unmöglich.
Die Route führt uns vom Einlauf der Oder in den Oderstausee hinauf zum Stöberhai. Dort ausgiebiges Picknick. Dann zum Ravensberg und schließlich über Bad Lauterberg entlang des Stausees zurück zum Ausgangspunkt.

3 Dinge haben uns besonders gefallen:
- Der Harz scheint nicht so sehr motorradverseucht zu sein wie der Schwarzwald. Wir haben wirkliche Stille erlebt, ohne das kilometerweit zu hörende dominante Dröhnen.
- Zwischen Wanderern und Mountainbikern wird im Harz ein bemerkenswert freundlicher Umgang gepflegt. Wenn es überhaupt ein Problem gab, dann allenfalls, dass es an Engstellen nicht weiterging, weil jeder den anderen vorlassen wollte. Da wird gelacht, gegrüßt und fröhlich weitergezogen.
- Schließlich gefällt der Harz durch seine moderaten Anstiege. Zwar geht es schon mal 300 Höhenmeter mit bis zu 15% Steigung bergauf. Das war es dann aber auch ... während im Schwarzwald nicht selten hinter der nächsten Kurve gleich noch einmal die nächsten 400 Höhenmeter warten. Das freut zumindest den, der den Kinderanhänger zieht.

Den Kinderanhänger darf heute teils auch die liebe Manu ziehen, während ich mit meinem neuen Plastikbike den Wald vorne weg auskundschaften darf.

:-)

 

Uns hat es im Harzer Gebirge sehr gut gefallen. Leider hatten wir nur einen Bike-Tag zur Verfügung. Doch es war bestimmt nicht der letzte, den wir hier verbracht haben.


 X-ing  /  Bike-Crossing Schwarzwald

(3 Tage, 151Km, 3743Hm)

Es ist endlich wieder so weit. Wir packen unsere Siebensachen in die Transalp-Rucksäcke, Checken unsere Bikes, kuppeln den einzig geländegängigen Kinderanhänger an und begeben uns auf eine Mehrtagestour durch den Schwarzwald.

Eine sehr vollständige Packliste gibt es übrigens hier (Klick!) ... Hinzu kommen bei uns inzwischen noch Windeln, Pixibücher, kleine Plüschschafe etc. Umso weiniger Dinge können wir Eltern mitnehmen; doch es fehlt uns nie etwas. Gut vorbereitet beginnen wir unsere kleine Reise.

Als Route wählen wir einige Abschnitte aus der in letzter Zeit immer populärer werdenden Durchquerung des Schwarzwalds von Pforzheim  im Norden bis nach Bad Säckingen im Süden an der Schweizer Grenze. Die "Digitale Kartografie Frank Ruppenthal GmbH", die uns schön früher mit besonders geeigneten Mountainbikekarten für den Schwarzwald aufgefallen ist, gibt einen Bike-Führer für den Schwarzwald-Cross heraus mit Karten, Höhenprofilen, Wege- und Ortsbeschreibungen und allem was man sonst noch benötigt. Schließlich kann man auf der dazugehörigen Homepage www.bike-crossing-schwarzwald.info die GPS-Daten der gesamten 450 Kilometer herunterladen. Damit ist das Vergnügen perfekt.

1. Tag: Fr. / 02.05. / 4h 10min (+1h) / 47,7Km / 1172Hm / MTB
Natürlich starten wir vor der Haustür in Freiburg. Pünktlich zur Mittagsschlafzeit von Pia haben wir ausreichend Gelegenheit, den ersten großen Abschnitt zu bewältigen: Freiburg, Buchenbach und heftig steil bergauf nach Nessellachen. Es sei darauf hingewiesen, dass 20% Steigung mit Fully, 25Kg Kinderanhänger mit Kind und 6 Kg Rucksack nicht jedermanns Sache sind. Doch auch dieser Schmerz geht vorbei und ist sofort vergessen, wenn man diesen grandiosen Ausblick, der folgt, nun gemeinsam genießen kann. Und so machen wir oberhalb von Breitnau ein erholsames Picknick; verspeisen dabei Manus leckere Brötchen mit Landjägern.
Gestärkt kurbeln wir in weitem Bogen über Winterhalden hinab nach Hinterzarten zu unserem ersten Etappenziel: Titisee. Die Vorfreude auf unser mountainbikerfreundliches Seehotel Wiesler findet eine jähe Ernüchterung. Ausgebucht! Der freundliche Eigentümer, selbst begeisterter Radler, versichert uns, dass an diesem Wochenende mit Brückentag der gesamte Titisee ausgebucht sei. Nach einigen Telefonaten findet er jedoch in Bärental noch eine Unterkunft für uns. Und so müssen wir spät abends noch einmal kräftig in die Pedalen treten und einige Höhenmeter bewältigen, bis wir endlich eine - etwas bescheidenere - Unterkunft für uns 3 erreicht haben.

2. Tag: Sa. / 03.05. / 2h 37min (+1h 20min) / 25,3Km / 719Hm / MTB
Früh brechen wir nach einem üppigen Frühstück wieder auf. Um zu unserer Route zurück zu gelangen, fahren wir bergab eine ganze Weile zurück, bis wir am Kurzenmoos-Parkplatz einen Forstweg Richtung Feldsee erreichen. Jetzt lernen wir einen uns neuen nördlichen Weg auf den Feldberg kennen. Leider ist dieser hohe und steile Weg nicht wie erwartet schneefrei. Wir müssen einige Kilometer durch schmelzenden Schnee stapfen. Zur Belohnung gibt`s in einer Hütte am Feldberg Pommes frites für alle!

Via Todtnauer Hütte fahren wir bergab, den Kapfenberg wieder hinauf und gelangen nun früh am Nachmittag nach Todtnauberg. Dort gönnen wir uns die Einkehr ins Wellness- und Vitalhotel Mangler. Sauna, Schwimmbad, abends ein 4-Gänge-Menue mit Bio-Küche, ... Nach einem abendlichen Spaziergang oberhalb des idyllisch gelegenen Dörfchens finden alle in einen tiefen, erholsamen Schlaf.

3. Tag: So. / 04.05. / 6h 47min (+3h) / 78,0Km / 1852Hm / MTB
Kaiserwetter und Königsetappe. Der kinderfreundliche Hotelbesitzer, der binnen einer Minute zum Pia-Fan geworden war (wie so Viele), verabschiedet uns persönlich. Immer wieder werden wir gefragt, wo denn unser Auto stehe? Dass wir einfach nur mit Rucksack und Kinderwagen unterwegs sind, löst nicht selten Verwunderung aus. Es sei an dieser Stelle noch einmal erwähnt, dass unsere 3er-Konstellation ein besonderes planerisches Geschick erfordert. Ca. 2 Stunden liest Pia oder hat Vergnügen an der rasanten Fahrt im Anhänger. Dann machen wir regelmäßige Pausen, bei denen Pia in der wilden Natur um so mehr auf ihre Kosten kommt. Oft spielt sie so ausgelassen, dass die nächste Etappe für Pia wieder mit einem kleinen Schläfchen beginnt ...

Heute haben wir Großes vor. Zuerst fahren wir bergab von Todtnauberg noch Todtnau, weiter über Gschwend, nach Präg, vorbei an den Prägbacher Wasserfällen. Hier, wie schon die ganzen 3 Tage lang, rauben uns die wilden Motorradfahrer-Horden den allerletzten Nev.   !   Nicht selten nehmen wir 2-3 Km Umweg in Kauf, nur, um nicht 500 Meter über die asphaltierte Verbindungsstraße fahren zu müssen. Denn hier herrscht Lebensgefahr. Liebe Familienpapis, korrekte Finanzbeamte und seriöse schweizer Geschäftsleute klappen das Visier herunter und mutieren unter diesem Deckmäntelchen der Anonymität zu übermotorisierten Gewalttätern. Der Gasgriff wird aufgedreht, die Maschine heult laut auf. Zig Kilometer entfernt hören wir noch jeden dieser Dominanzlaute. Vollgas, maximale Kurvenschieflage, mit 110 Km/h und nur 10 cm Abstand am Kinderanhänger vorbei, schnell noch den langsam bummelnden PKW überholt, der nächste gleich hinterher, Gegenverkehr zu spät gesehen, Schlenker, toll gemacht. Wie kann man nur dem Irrtum erliegen, dass dieses Fehlverhalten irgendjemandem gefallen oder gar imponieren könnte? Pferdestärken ohne Muskelkraft und ohne Gehirn! Oben auf dem Berg wird erschöpft erst einmal eine Zigarette geraucht, der glühende Stummel kurz darauf in den dürren trockenen Wald geschnipst. Gestärkt geht es dann noch ein bisschen schneller bergab. Wir haben einige Motorradstürze gesehen.

 

Der Anblick der Leichen der 4 Motorradfahrer, die allein an diesem Wochenende im Schwarzwald tödlich verunglückt sind, ist uns Gott sei Dank erspart geblieben.

Wir fahren auf lockerem Boden steil bergauf zum Hirschenbuck Köpfle. Lange Pause am Almgasthaus Gisiboden. Es folgt eine ausgedehnte, genüssliche Abfahrt nach Schlechtnau. Eigentlich sind wir zum jetzigen Zeitpunkt mit unseren Kräften bereits an ersten Grenzen angelangt. Und doch haben wir noch einen maximal langen und steilen Anstieg hinauf zum Knöpflesbrunnen zu bewältigen. Es geht dermaßen lange mit 18-20% Steigung bergauf, dass uns die Passagen mit nur 12-14% Steigung wie eine Erholung vorkommen. Belohnt werden wir immer wieder mit großartigen Aussichten über den Schwarzwald.
Es beginnt schon zu dämmern, als wir später auf dem Schauinsland noch einmal alle Berge überblicken können, die wir in den vergangenen drei Tagen bezwungen haben.

Erschöpft und zugleich gestärkt durch die vielen neuen und gemeinsamen Erlebnisse endet unsere Tour wieder in Freiburg.

Mountainbiketouren im April

Im April war die Zeit knapp. Da wir lieber biken als darüber zu berichten, kamen die Updates im Logbuch zu kurz. Aufgrund mehrerer Anfragen unserer Lesergemeinde veröffentlichen wir nun quasi als Minimalvariante einige der Fotos unserer Mountainbiketouren im April:

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