Logbuch-Archiv 2007 - Oktober bis Dezember

[  sinn - bild - liches  ]  Es gibt viele Arten, Fahrrad zu fahren. Wir biken. Das heißt, wir fahren mit dem Mountainbike, im Wald, immer, gemeinsam. Zwischen den Zeilen entdeckt der suchende Leser eine eigene Philosophie. Dabei schauen wir besonders gerne nach links und rechts. So ist es auch sinnbildlich, dass die Logbuchbilder ab 2007 das breite 16:9-Format haben.

     
Jahresrückblick 2007


Wir wünschen allen Freunden, Lesern und Mitbikern

 ein frohes neues Jahr 2008 !

Klick links auf das Bild und stöbere ein bisschen - erinnere Dich der schönen Dinge.

Di / 25.12. / 4h 48min (6h 38min) / 43,3Km / 579Hm

Hoch zum Adlerpass,
durch die wilde Fataga-Schlucht,
und andere wilde Erlebnisse
(Gran Canaria)

Dieses Jahr Weihnachten machen wir einmal etwas Besonderes. Wie schon im April 2005 treibt es uns in die wärmende Sonne der Kanareninsel Gran Canaria. Gestern noch waren wir in den Wellen des Atlantischen Ozeans ausgiebig plantschen, abends war Pia zum ersten mal mit dem Weihnachtsmann zusammengetroffen und unter panischem Geschrei geflüchtet - das Geschenk wurde schließlich aber doch noch dankend entgegen genommen.

Heute, am 1. Weihnachtsfeiertag ziehen wir unsere kurzen Trikots an und radeln in die Canyons des Landesinneren. 23° C lesen wir auf dem Thermometer. Ein flüchtiger Gedanke zurück an den sonnigen Skitag im Schwarzwald, vor einer Woche. Wie für einen Moment in eine fremde Welt entrückt, würde es nicht wundern, wenn gleich das Licht anginge und der Kinofilm vorbei wäre. "Schön war`s," würden wir dann sagen.
Doch man gewöhnt sich daran: rechts Orangen an den Bäumen, links Zitronen, dort ein paar Melonen, Bananenbäume, blühende Kakteen haushoch, Dattelpalmen säumen den Wegesrand. Einzig die wenigen Eidechsen und das fehlende Grillengezirpe deuten an, dass es auch hier, knapp über dem Äquator, Winter ist.

Dem Massentourismus in Maspalomas und Playa del Inglés ist man in wenigen Minuten entflohen. 15 km fahren wir hinauf zum Adlerpass, vorbei an den blumengeschmückten Gärten im Tal von Ayagaures. Christsterne wachsen hier als über 3 Meter hohe Sträucher. Gleich hundertfach zeigt sich die rote Sternenpracht der Hochblätter, nicht zu verwechseln mit den eigentlichen gelb-grünlichen kleinen Blüten (Cyathien) im Innern des roten Sterns.
Am Staudamm von Ayagaures verlassen wir die Zivilisation dann gänzlich und ziehen für Stunden über grobe Fels- und Schotterstraßen durch die wilden Schluchten des Barranco de Fataga.

... und andere wilde Erlebnisse: Gerne berichten wir nur von den schönen Seiten unserer Touren. Bei dieser Tour gab es jedoch einige erhebliche Probleme, die der Vollständigkeit halber und um zu warnen, nicht unerwähnt bleiben dürfen:

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Um uns Stress zu ersparen, haben wir uns auf Gran Canaria Bikes geliehen: Baumarkt-Niveau für 10€/Tag, schlechte Wartung, kein Reparaturmaterial, beste Parts waren Deore, bereits die beste Kategorie. Später entdeckten wir eine sehr gute Verleihstation in Playa del Ingles, Happy-Biking. Dort zahlt man allerdings für einen Specialized Rockhopper (Hardtail) 22 €/d, für Specialized Stumpjumper FSR (Fully) 29 €/d. Einstellen muss man dann immer noch einiges: Federgabel, Klickies, Sattel, ... Wir sagen "Nein Danke!", künftig fliegen unsere Bikes wieder mit.

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Einen Totalausfall bescherte unser mitgenommener Fahrradanhänger von Chariot (Cougar I). Trotz Blattfederung wurde Pia auf den letzten Kilometern auch bei kleinsten Felsstufen (5 cm) derart durchgeschüttelt, dass sie auf der zweiten Hälfte der Canyon-Tour ununterbrochen geschrien hat - 3 Stunden Dauergeschrei, Pause, Trösten, Weiterschreien ... singletrailer von www.tout-terrain.deWährend wir üblicherweise von Passanten bewundert werden, wie ruhig und perfekt wir auch als Familie unserem Hobby nachgehen können, stachen heute entsetzte Blicke der Passanten in unsere Rücken. Auch hier gilt künftig, dass wir keine einzige Tour mehr ohne unseren Singletrailer machen werden.

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Schließlich hatte (nur) an diesem Tag unser mobiles GPS-Gerät (Garmin Vista HCx) einen extrem schlechten Tag. Vermutlich waren es die vielfältigen Reflexionen an den steilen Lavawänden, die zu ständigem Umspringen der Position und infolgedessen zu abenteuerlichen Geschwindigkeits- und Entfernungsangaben führten.


 ... und doch, die Eindrücke eines solchen Tages sind unwiderstehlich.

Dezemberträume

An dieser Stelle bleiben - trotz vieler Anfragen - aus zeitlichen Gründen einige Touren unbeschrieben. Der Vorweihnachtsstress setzt uns irgendwie jedes Jahr mehr zu. Und doch, es ist einiges passiert. Einen kleinen Ersatz für die fehlende Beschreibung sollen die Bilder darstellen.
Erst zu Weihnachten ist wieder eine ausführlichere Tourenbeschreibung zu erwarten.

   

Sa. / 03.11. / 3h 59min (7h 15min) / 38,0Km / 1174Hm / MTB

Die Umrundung des Kanisfluh (Au im Bregenzer Wald - Tag 2)
Heute setzen wir die gestern abgebrochene Runde fort. Wir stehen 3 Stunden früher auf und kommen 2 Stunden früher los. Zunächst müssen wir, um zu dem gestern erreichten Ausgangspunkt am Alpengasthof Edelweiß zu gelangen, knapp 800 Hm hinaufkurbeln. Unterbrochen wird der 2 Stunden dauernde Aufstieg von Baumfällarbeiten. Vor uns kippt augenblicklich ein riesiger gefällter Baum mit lautem Krachen zu Boden - auf den Forstweg. So müssen wir 30 min warten, bis die Waldarbeiter mit ihren Sägemaschinen alles kurz und klein gesägt haben und der Weg wieder passierbar ist.

Weiter geht es auf Serpentinenforstwegen entlang der warmen Südseite des Kanisfluh. Schneereste an schattigen Stellen verraten uns, dass die Wärme hier nur von kurzer Dauer sein kann. Auf 1622 m, die Wurzachalpe, machen wir Pause. Pia robbt begeistert zwischen Schneehaufen, Pfützen und Kuhfladen hin und her, während wir gut zu tun haben, sie trotz Verboten bei guter Laune zu halten.

Von der malerischen Roßstellealpe (1390 m) kämpfen wir uns noch einmal hinauf zur Wildguntenalpe (1610 m). Mühselig. Bei der sich anschließenden Abfahrt gelangen wir auf die kalte Schattenseite des Berges. Oben sind es die Schneefelder auf dem Weg, unten ist es der lehmige Matsch, die uns das Fortkommen erschweren.


Die letzten Kilometer führen im Tal von Mellau über Hirschau und Schnepfau nach Au. Ein fein geteerter Fahrradweg führt die ganze Zeit entlang der Bregenzer Ache. Sehr gut. So können wir sogar dieses längere Verbindungsstück fern des ungeliebten Straßenverkehrs zurücklegen. Als wir aus dem schattigen Tal aufblicken, liegen einige Berggipfel noch im Sonnenlicht. Der Schnee reflektiert das abendliche Streulicht rötlich. Alpenglühen! Zugleich schwebt über den feuchten Talwiesen ein dünner Nebelstreifen. Eine eigenartige Stimmung.

Fazit:
Die mit Abstand großartigste Tour des Jahres - Alpencross-Feeling an einem Tag.
(Weitere Fotos der Tour findest Du hier ...)

Fr. / 02.11. / ca. 4h / 17,8Km / 780Hm / MTB

Au-weia! - Mountainbiken verboten (Au im Bregenzer Wald - Tag 1)
Eine kleine Randnotiz in der Zeitschrift "Mountainbike" ist Schuld, dass wir uns plötzlich in den österreichischen Nordalpen befinden. Hier könne man auch noch im Spätherbst gut biken. Vor Ort erfahren wir, dass es uns in eine der Regionen Österreichs verschlagen hat, in der die Regel gilt:

Mountainbiken ist nur dort erlaubt,
wo es ausdrücklich
durch Schilder gekennzeichnet ist.

Leider ist nie jemand dazu gekommen, irgendwelche Schilder aufzustellen. Folglich ist es überall verboten. Doch dieses bestreitet hier jedermann vehement. Sind die Mountainbiker doch gern gesehene Gäste. Und die Region eignet sich ganz vorzüglich zum Biken.

Jetzt könnte ein kluger Mensch uns raten: "Fragt doch im Tourismusbüro nach!" Diese Informationen sind jedoch aus dem Tourismusbüro. Wir sind also genauso klug wie zuvor. Statt einer klaren gesetzlichen Regelung erhalten wir im Tourismusbüro dann 6 Mountainbike-Tourenvorschläge mit Karte - auch eine Antwort.

Heute wollten wir eigentlich den Kanisfluh umrunden: Von Au nach Leue, dann folgt ein anstrengendes Schiebestück hinauf zur Feuersteinalpe. Zwar ist die Aktion ungefährlich, doch mit dem Kinderanhänger ist der Aufwand enorm: Immer wieder muss Manu ihr Bike zurück lassen und mir beim Schieben helfen. Ein Stück später keuche ich schon mal etwas weiter, während Manu wieder hinunterstapft und ihr Rad holt. Diese Technik ist bei uns gut erprobt, bei längeren Passagen aber sehr ermüdend - kratzt auf Dauer auch etwas an der Moral.

Belohnt werden wir mit phantastischem Panorama. Schöner kann man sich einen Herbsttag in den Alpen nicht vorstellen. Nicht lange und wir befinden uns auf 1500 m Höhe: Öberlealpe mit dem Gasthof Edelweiß. Die Berge werfen bereits um 14 Uhr weite Schatten. Da es unser erster Tag ist, beschließen wir die Tour für heute zu beenden. Eine einfache Abfahrt nach Argenfall bringt uns zurück ins Tal. Hier wollen wir morgen unsere Runde fortsetzen. (Weitere Fotos der Tour findest Du hier ...)

So / 28.10. / 2h 14min (3½h) / 27,1Km / 505Hm / MTB

Verschaukelt an der Zähringer Burg
Heute zeigt sich zwischenzeitlich auch einmal die Sonne. Und noch einmal strahlen die intensiven Herbstfarben, die schon fast im Begriff waren, zu verblassen. Eigentlich wollten wir nur eine ganz kleine Runde zurücklegen. Doch die Lust kommt beim Fahren.
Wir radeln durch das Dreisamtal, Wittental, dann über den Rosskopf hinab zur Zähringer Burg. Es ist lange her, dass wir hier waren. Einkehr. Es gibt heißen Apfelstrudel mit Vanilleeis und Saaaahne! Ja! Damit jeder auf seine Kosten kommt, schließt sich noch ein Besuch auf dem Spielplatz an.

Hochdramatische Neuerung: Pia kann jetzt schaukeln. Das geht so: Man setze sie auf das Schaukelbrett und stupse sie vorsichtig an (bloß nicht zu fest, sonst wird geweint). Dann pendelt die Schaukel mit der reglos da sitzenden Pia schier endlos hin und her. Pia hält sich gut fest, macht sonst aber nichts. Und wehe einer versucht das Idyll zu stören - dann wird geweint. Pia schaukelt also ungestört und zufrieden weiter ... dann wird mal links geguckt, dann rechts ... schaukelt weiter ... Mama und Papa fröstelt es ... und schaukelt ... irgendwie eisig inzwischen ... Schaukel pendelt weiter ... "da (ein Vogel)" ... schaukelt ... lacht ... und schaukelt ...

Irgendwann sind wir dann über das Wildtal heim gefahren. Allen hat es heute sehr gut gefallen.

Sa / 27.10. / 3h 46min (4½h) / 66,9Km / 870Hm (1573Hm) / MTB

Schwarzweiß
Es ist nun die Jahreszeit angebrochen, in der jede Mountainbiketour leicht zum Abenteuer werden kann. Die Berge ermöglichen es, den Zeiger auf der Jahreszeiten-Skala ein bisschen hin und her zu schieben. Tragen die Bäume im Tal noch ihr buntes Herbstkleid, ist auf dem Feldberg der erste Schnee zum größten Teil schon wieder weggetaut.

Heute war ein wenig Sonne vorhergesagt. Doch alles ist grau. Ohne die roten Streifen auf dem Mountainbike könnte man meinen, man sei in einen Schwarzweißfilm hineingeraten. Vielleicht komme ich auf den Bergen über die Wolken? Da ich ja allein unterwegs bin und es niemand merkt, nehme ich die Schauinsland-Seilbahn und kürze so gut 700 Höhenmeter ab. Nicht ganz billig: Erwachsener 8,- € plus Bike 6,- €.

Leider komme ich nicht über die Wolken, sondern lande, am Schauinslandgipfel angekommen, mitten in ihnen. Dichter Nebel soll nun mein ständiger Begleiter sein. Es ist eisig kalt geworden. Hier und da durchfahre ich kleinere übrig gebliebene Schneefelder. Die Wolken verschleiern die herrliche Aussicht, die sich normalerweise bei Stübenwasen auftut. Später erkenne ich selbst den Feldbergturm erst aus 100 m Entfernung. Er ist komplett eingerüstet und wird für den nächsten Sommer fein gemacht. Tausende von kleinen, hellen Holzschindeln geben ihm ein neues Kleid, dass mit der Natur gut in Einklang zu stehen scheint.
Am Seebuck wird die Sicht etwas besser. Ich schaue hinab auf den Feldsee, ohne ihn zu erkennen. Nebelschwaden ziehen unter mir durch die Tiefe. Ein düster-schönes Schauspiel.

Über die Seebuckpiste fahre ich ab zum Feldberger Hof. Eine kleine Schleife entlang dem Feldsee mache ich wann immer möglich, so auch heute, bevor ich im Raimartihof einkehre. Heiße Gulaschsuppe, ein Radler, die Bikesachen trocknen am Kachelofen. Hier lässt es sich gut aushalten. Die kleinen Fenster, die tiefe Holzdecke, die schummrige Beleuchtung, das Knarren der Tür, der wärmende Kachelofen. Heimelig ist es hier.

Um so schwerer fällt es schließlich, sich satt und warm noch einmal aufzuraffen und den Heimweg ins Tal anzutreten.

Mo / 15.10. / 1h 25min (1h 45min) / 16,4Km / 474Hm / MTB

Training ist ...
-
wenn Du abends den Rosskopf hinauf fährst,
- wenn Du 10 Kg Anhänger hinter Dir her ziehst,
- wenn Du 11 Kg Waldzwerg in den Anhänger setzt,
- wenn Waldzwerg auf den letzten und steilsten Metern nur dann stillhält,
- wenn Du ihm etwas Lustiges vorsingst.

Und zur Belohnung gibt es oben natürlich einen Früchteriegel zur Stärkung.

 

Zwergi hat`s jedenfalls riesig gefallen, wie man sieht.

 

So / 07.10. / 3h 36min / 41,3km /
797Hm / MTB /
mit dabei: Manu, Pia, Kai, Thomas
 

Rappeneck
Tour zur Rappenecker Hütte mit schönen Bildern. Wir wollten eigentlich den Stand der Entwicklung in Sachen Käsekuchen testen. Der war leider schon ausverkauft. Ein gutes Zeichen?

Sa / 06.10. / 1h 36min (1h 51min) / 22,1Km / 537Hm / MTB

Dunst in herbstlicher Abendstimmung
Fast ist der Samstag schon um. Und noch keine Zeit für eine kleine Biketour gefunden. Nicht gut! Also schnell noch auf`s Bike und eine genüssliche Runde auf den Kybfelsen. Der Dunst in herbstlicher Abendstimmung hat etwas Geheimnisvolles. Viele Wanderer genießen diese Stimmung. Hier und da sitzen sie an lauschigen Plätzen. Ohne Ausnahme haben sie heute alle eine Zigarette im Mund. Ist das immer noch erlaubt? Der Dunst in herbstlicher Abendstimmung kommt doch nicht von ihnen, oder?
H
eute wird der neue hochempfindliche HD GPS-Empfänger von Garmin (Modell Vista HCx) getestet. Insider werden bei Betrachtung des Bildes rechts oben nicht schlecht staunen: Der Empfang ist sensationell. Selbst in geschlossenen Räumen liefern die Signale von mehreren Satelliten eine Positionsgenauigkeit +/- 15 m. Zudem kann man auf die wechselbare micro-SD Speicherkarte bis 2 GB Kartendaten laden. Das reicht für die komplette Topo-Deutschland-Karte und einen Großteil der Europa Straßen-DVD. Unverändert brillant ist das transflektive Farbdisplay. Wer bislang immer noch gezögert hat kann nun beruhigt zugreifen. Das Navi ist nun perfekt.

Mi / 03.10. / 2h / 19,6Km / 450Hm / MTB

Auf dem Rosskopf
Eine kleine Runde auf den Rosskopf. Oben verspeisen wir still einen Müsli-Riegel. Sonst nichts. Alle wundern sich hier oben, dass sonst nichts ist. Kein Gequengel, kein Geschrei, kein Weinen, ... Wir sitzen einfach nur da und verspeisen unsere Riegel. Dann fahren wir wieder heim.

   

 

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